Rheder Rede – Andreas Bialas anlässlich des 10-jährigen Bestehens des Fördervereins für das Büchereiwesen in Rhede e.V.

Andreas Bialas, Präsident des Bibliotheksverbandes NRW und Wuppertaler Landtagsabgeordneter, legte als Festredner zu Ehren von zehn Jahren „Förderverein für das Büchereiwesen in Rhede“ in Anwesenheit von Schulministerin Sylvia Löhrmann ein vehementes Bekenntnis zu den Bibliotheken als Keimzelle eines demokratisch verfassten Gemeinwesens ab. Bialas, kulturpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, forderte die Bibliotheken zu aktiver, kämpferischer Lobbyarbeit im Sinne ihrer Erhaltung und Förderung auf. Oft seien sie zu wenig mit politischen Prozessen vertraut und nicht hinreichend gesellschaftlich verankert. Bialas würdigte ausdrücklich die Arbeit des Fördervereins als Beispiel für mustergültige Selbstbehauptung des Büchereiwesens. Die fortwährende Einbindung in die Stadtgesellschaft und intensive Vernetzung sind, so Bialas, zentrale Elemente einer selbstbewussten, starken Bibliothek. Diese Selbstauffassung münde in die Gretchenfrage an jeden Mandatsträger: „Sag, wie hältst Du’s mit den Bibliotheken?“ Für das gefährliche politische Gedankenspiel mit der Schließung von Bibliotheken müssten insofern denkbar schwierige, ungünstige Bedingungen und ein entsprechend bibliotheksfreundliches Klima geschaffen werden.

Der Innen- und Kulturpolitiker betonte die doppelte Schlüsselfunktion der Bibliotheken als elementaren Bildungsinstanzen:

  • Persönlichkeitsentwicklung des Einzelnen
  • Entwicklung hin zu einer humaneren, gerechteren Gesellschaft freier Individuen

Die Qualität der Bibliothekslandschaft ist demnach untrennbar mit der gesellschaftlichen Teilhabe an Kunst, Kultur, digitalem Zeitalter und Bildung verwoben. Bibliotheken sind moderne Medienkompetenzzentren, welche zugleich als der Ort vom Wort emanzipierten, aufgeklärt kritischen Bürgern eine Heimat der Reflexion bieten.

In der Auseinandersetzung mit dem Wort tritt die demokratische Gesellschaft somit in Distanz zu sich selbst und hinterfragt immer wieder die gegenwärtigen Machtstrukturen, Trends und Meinungen. Bialas dazu im Wortlaut: „Freies Wort, freie Medien und Demokratie hängen eng und untrennbar zusammen. […] Bibliotheken haben eine unsere demokratische, rechtsstaatliche und soziale Grundordnung sichernde Relevanz.“

Die einzigartige Qualität der Bibliothek gegenüber alternativen Medien-, Bildungs- und Lernräumen verortete Andreas Bialas in ihrer Existenz im „Jenseits von Markt- und Machtinteressen“, das sich durch das Signum des Arrangements von Zugängen für möglichst viele auszeichne.

Als finalen Ruf ins Land und in die Kommunen ließ er abschließend verlauten: „‘Kultur für alle, Bildung für alle, Teilhabe für alle‘ heißt zwingend ‚Bibliotheken für alle‘.“