Warum lesen?
Politik ist nach meinem Verständnis das Ringen nach Möglichkeiten des bestmöglichen Zusammenlebens in einem Gemeinwesen. Dieses Bestmögliche sehen unterschiedliche Menschen ganz unterschiedlich. Gespräche mit Anderen helfen, den eigenen Horizont zu weiten, aber auch ein Blick in die Geschichte oder der Blick in ein gutes Buch. Es gibt eben häufig nicht die einzige richtige und dauerhafte Antwort.
Gute Bücher versuchen uns die Vielfältigkeit des Lebens, seine zahlreichen Facetten und seine Reichhaltigkeit, näher zu bringen. Gute Bücher versuchen uns das Wesen Mensch mit seiner Schönheit und seinen Fehlern verstehbar zu machen oder sie zeigen uns eine bestimmte Zeit.
Jedes gute Buch ist ein kleines auf den Mond projiziertes Licht, welches ein winziges Stückchen des Ganzen erhellt. Dabei erzählen sie oftmals wunderschöne Geschichten und sprechen wunderschöne Sprachen.
Jeder muss freilich für sich entscheiden, welches Buch ihm gefällt. Für einige sind es spezielle Autoren, für Andere bestimmte Genre.
Die Bücher sind eine Auflistung derjenigen, welche ich seit Januar 2010 gelesen habe. Meistens schaffe ich ein Buch in einer Woche. Dies gelingt jedoch nicht immer. Besonders bei dickeren dauert es oftmals länger. Daher sind gerade in diesem Jahr sehr viele recht kurze Romane dabei.
Auch wenn die freie Zeit meist recht kurz bemessen ist; zum Lesen muss man sie sich meines Erachtens nehmen. Das gelingt meist auch: im Zug, beim Warten, vor dem Schlafen, …. Es erübrigt sich denn auch fast zu sagen, dass egal wo ich mich aufhalte immer ein Buch dabei ist. Beinahe wie bei einer Sucht werde ich von Entzugserscheinungen erfasst, wenn ich gerade keinen Zugriff auf ein Buchen haben sollte.
Die hier aufgeführten Vorstellungen und Empfehlungen der Bücher, selbst wenn sie mit einem „unbedingt“ versehen sind, sind natürlich lediglich Anregungen, bzw. geben sie meine höchst subjektive Meinung wieder.
Lassen Sie sich ein wenig von der Literatur bezaubern und verführen.
Bücher aus 2011
55. Isabel Allende: Das Geisterhaus
Die große Familiensage Chiles. Die Geschichte des Patriarchen Esteban Trueba vor der Kulisse eines in die Freiheit strebenden und dann in die Diktatur landenden Volkes. Ein wunderbar geschriebenes Erzählwerk, welches die politischen Differenzen der verschiedenen Staatsformen deutlich herausarbeitet – anhand der Beschreibung von Menschen, ihren Hoffnungen, ihren Lieben, ihren Verbrechen.
Empfehlung: Muss man lesen
54. Gerard Donovan: Winter in Maine
Der Hund eines Eremiten wird erschossen. Nun macht dieser sich auf die Suche nach dem Mörder und wird selbst zu einem. Ähnlich wie der Kleistsche Kohlhaas oder der Doctorowsche Coalhouse Walker überschreitet er die Grenze zum Gewaltexzess und kann seinem Tun keinerlei moralische Grundlage mehr unterstellen. Sein Handeln entzieht sich somit jeglicher Kontrolle, besonders der eigenen. Sehr spannend.
Empfehlung: Sollte man lesen
53. Herta Müller: Niederungen
Die deutschen Schwaben im Banat des kommunistischen Rumäniens in ihrer ungeschminkten, meist banalen, Lebensweise. Eine grandiose Studie menschlicher Schicksale in Täter- und Opferstruktur. Das Buch ist eine hervorragende Grundlage zu Erschließung ihres Werkes und es zeigt sehr deutlich, warum sie gerade bei ihren „Landsleuten“ trotz Literaturnobelpreis nicht zwingen der gefeierte Star ist.
Empfehlung: Muss man lesen
52. Robert Louis Stevenson: Der seltsame Fall von Dr. Jekyll und Mr. Hyde
Die Geschichte ist allgemein bekannt und immer wieder spannend, besonders auch die literarische Vorlage der vielen Verfilmungen. Sehr unterhaltsam.
Empfehlung: Kann man lesen
51. Max Frisch: Biedermann und die Brandstifter
Wird man verschont, wenn man mitmacht? Bleibt man am Leben, wenn man die Augen verschließt? Gibt man der Gewalt besser nach oder zieht man sie durch Gefälligkeit erst groß? Max Frisch behandelt immer wieder die großen Fragen der Deutschen Geschichte – wie konnte es so weit kommen, und welche „allzumenschlichen“ Eigenschaften haben dies begünstigt. Am Besten gleich hinterher den „Fragebogen“ von Frisch lesen.
Empfehlung: Sollte man lesen
50. Edgar Hilsenrath: Zibulsky oder Antenne im Bauch
Wunderbare scharfsinnige und witzige Dialoge in haarsträubenden Kurzgeschichten vom Meister des Absurden und Grotesken. Je witziger und knapper er schreibt, umso deutlicher und schmerzhafter wird die Deutsche Geschichte mit ihren unbewältigten Abgründen sichtbar.
Empfehlung: Muss man lesen
49. Heinrich von Kleist: Michael Kohlhaas
Ungerechtigkeit widerfährt Kohlhaas, und nachdem seine Peiniger nicht zeitgerecht den Schaden in Ordnung bringen, wird er zum Rächer, der nach und nach das Maß seiner Wut und Rache überschreitet und letzten Endes sich und seine Familie in den Tod führt. Wie viel standhaftes Wehren, wie viel Rache ist angemessen und wo kippt dies aufgrund von Gewaltexzessen in den Terrorismus. Der Kohlhaas von Kleist ist die literarische Aufarbeitung dieser spannenden Frage. So aktuell auch das Thema; die Sprache mutet etwas verstaubt an.
Empfehlung: Muss man lesen
48. Otfried Preußler: Krabat
„Komm in die Mühle am Koselbruch“. Krabat, ein vierzehnjähriges Waisenkind wird Lehrling in der Mühle und nach und nach vertraut mit den Vorkommnissen derselben. In der Mühle lernt er mahlen und zaubern. Doch die Mühle und ihr Meister haben eine dunkle Seite. Als andere Kinder sterben und Krabat sich verliebt, wird es für ihn Zeit, etwas zu unternehmen. Ein wunderbares Buch für Kinder und Erwachsene.
Empfehlung: Sollte man lesen
47. E.L. Doctorow: Ragtime
Die Geschichte eines farbigen Jazzpianisten, der aufgrund seiner Hautfarbe seitens staatlicher Stellen aufs tiefste gedemütigt und drangsaliert wurde, und der dann vergebens im Amerika der Vorkriegszeit des I. Weltkrieges um Gerechtigkeit kämpft. Ein Zeit- und Sittengemälde in der Tradition der großen amerikanischen Erzähler.
Empfehlung: Muss man lesen
46. Tschingis Aitmatow: Aug in Auge
Wie fühlt sich, entwickelt sich und vegetiert dahin ein Deserteur, der eigentlich alles richtig macht und sich vom völlig sinnlosen Krieg abwendet, um zu leben und sich dann verstecken muss. Wie reagiert seine Familie und welche negativen Entwicklungsstufen, gespeist mit Misstrauen und Angst nehmen seine wenigen noch möglichen Beziehungen.
Empfehlung: Kann man lesen