„Kultur darf nicht im Affirmativen verharren“

Die Friedrich-Ebert-Stiftung hatte gestern Abend zum Zukunftsdiskurs ins Zentrum für verfolgte Künste nach Solingen geladen. Thema des Abends: „Kunst und Kultur heute – Zwischen Auflehnung und Anpassung“. Auf dem Podium unter anderen der kulturpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion Andreas Bialas. Darüber hinaus die Autorin Heike Mela Fendel, Dr. Rolf Jessewitsch, Direktor des Museums für verfolgte Künste, Nora Gomringer vom Internationalen Künstlerhaus Bamberg sowie Claudia Seidl vom Feuilleton der FAZ. Durch den Abend führte die WDR-Journalistin Corinna Schlechtriem.

Wie verstehen sich Kultur und Kunst heute? Wie bilden sie gesellschaftliche Realitäten ab? Welchen gesellschaftspolitischen Auftrag erfüllen sie? Dies waren die grundsätzlichen Leitfragen des Abends mit denen man versuchte, eine Standortbestimmung der Kultur in der Gegenwartsgesellschaft vorzunehmen.

Diese Fragen wurden nicht zuletzt unter den Vorzeichen diskutiert, dass Kunst und Kultur nicht mehr, wie lange Zeit vorherrschend, als per sé ‚links‘ und ‚liberal‘ definiert werden können. Denn auch im kulturpolitischen Diskurs nehmen rechtspopulistische Okkupations- und Reformulierungsversuche zu, die den Auftrag von Kunst und Kultur völkisch und nationalistisch umzudeuten versuchen. Ein kosmopolitisches bzw. globales Kulturverständnis kommt da unter Druck und muss sich offensiv zu behaupten lernen.

Bialas: „Gerade in Zeiten der versuchten reaktionären Umdeutung gesellschaftlicher Werte, darf Kultur nicht im Affirmativen verharren oder gar kleinlaut werden, sondern muss vielmehr ihren transzendenten Charakter bewahren, um ein letztlich integrationsstiftendes Moment komplexer Gesellschaften, mit ihren vielgestaltigen Mit-und Nebeneinander differenter Lebenswelten, bleiben zu können.“