Auf Einladung des zur Friedrich Ebert Stiftung gehörenden “Forum für Kultur und Kunst in NRW” fand gestern im Wuppertaler Schauspielhaus eine Veranstaltung rund um die Förderung der Kultur durch die Europäische Union statt. Informativer Höhepunkt des Abends war eine von Peter Grabowski moderierte Podiumsdiskussion, die bis in den späten Abend ging.
Nach einer stimmungsvollen Klaviereinleitung begrüßte der ehemalige NRW-Innenminister Fritz Behrens als ehrenamtlicher Vorsitzender des Forums die Teilnehmer und das Publikum; er wies darauf hin, dass in Deutschland die Kulturpolitik nach wie vor maßgeblich kommunale Politik sei, mit allen sich daraus ergebenden Problemen in Zeiten schwieriger Gemeindefinanzen. Dietmar Bell knüpfte daran die Frage, wie es eben auch trotz knapper kommunaler Haushalte gelingen könne, eine zukunftsfähige Kulturpolitik anstelle einer reinen Mangelverwaltung zu betreiben.
Die Europaabgeordnete Petra Kammerevert nahm diesen Faden auf, in dem sie im Bereich der europäischen Kulturförderung als ein wesentliches Instrument der Kulturpolitik für die kommende Förderperiode forderte, dass auch die Strukturfonds, deren Augenmerk auf der Wirtschaftsförderung liegt, endlich klare Förderlinien eigens für die Kultur als wichtigem Wirtschaftsfaktor benötigten. Der ehemalige Geschäftsführer der RUHR.2010 im Rahmen der europäischen Kulturhauptstadt, Prof. Dr. Oliver Scheytt, sekundierte in seinem Vortrag mit seiner Analyse des Hauptdefizits der europäischen Kulturpolitik: Während in den USA etwa der amerikanische Film als Exportgut verstanden und mittels eigener Behörden etc. massiv auch im Ausland gefördert würde, stecke eine solche Förderung in Europa noch in den Kinderschuhen. Der Kulturpolitik käme darüber hinaus eine oftmals verkannte Schlüsselrolle im europäischen Einigungsprozess zu: “Nicht Europa fördert die Kultur, sondern die Kultur fördert Europa!” Andreas Bialas schließlich griff ging noch einmal auf die Feststellung Fritz Behrens’ ein, wonach Kulturpolitik in Deutschland vor allem Kommunalpolitik sei; er fügte hinzu, dass wenn “Kommunen nicht mehr als verlässlicher Partner für Kultur gelten”, die Suche nach anderen Partnern beginne. Die Kulturförderung der EU gelte in diesem Zusammenhang als nahezu unerreichbar aufwendig und komplex; das dürfe jedoch nicht als Ausrede dafür herhalten, sie nicht anzustreben.
Diese Linie wurde in der anschließenden Podiumsdiskussion, der eine kurze Einlage einer jungen Wuppertaler Tänzergruppe vorausging, von Sabine Bornemann, Leiterin des Cultural Contact Points (CCP) der EU für Deutschland, dankbar aufgenommen. Natürlich sei die europäische Kulturförderung komplex; doch genau dafür gäbe es beratende Institutionen wie den CCP. Potentielle Antragsteller ließen sich zudem oftmals dadurch abschrecken, dass sie meinten, stets die Federführung von Projekten übernehmen zu müssen, die im Rahmen der europäischen Kulturförderung immer mindestens drei verschiedene Länder der EU umfassen; tatsächlich aber könne man sich auch einfach an bereits bestehenden Netzwerken beteiligen. Ein Beitrag aus dem Publikum brachte hierzu die bereits bestehenden Städtepartnerschaften ins Spiel, ein Vorschlag, der von den Diskussionsteilnehmern bestätigt wurde. Die von Peter Carp, Intendant des Theaters Oberhausen, dennoch geäußerten Bedenken, dass eine Förderung durch die EU einen sehr langen Zeithorizont in Anspruch nehme und insoweit ein strategisches Denken voraussetze, das für den Kulturbetrieb eher ungeeignet sei, stieß schließlich auf die gegenteilige Meinung Kurt Eichlers, Geschäftsführer der Kulturbetriebe Dortmund, wonach eben dieses strategische Denken gar nicht in die Zuständigkeit der Kulturschaffenden fallen sollte: Das seiner Ansicht nach gegenwärtig wichtigste Defizit in der Nutzung der europäischen Kulturförderung durch die Städte als primäre Träger der Kulturpolitik sei, dass während in anderen europäischen Ländern in Stadtverwaltungen ganze Abteilungen nur mit der laufenden und systematischen Überprüfung der EU-Förderbarkeit örtlicher kultureller Projekte befasst seien, vergleichbare Strukturen in Deutschland überwiegend nicht existierten.
