Bibliotheken? Systemrelevant, demokratierelevant, integrationsrelevant!

Andreas Bialas auf dem Politischen Frühstück des vbnw im Landtag NRW

„Bibliotheken sind in Bewegung und bewegen Menschen – in einer von gesellschaftlichen und politischen Bewegungen fundamental geprägten Zeit.“ Mit diesem Bekenntnis und gleichzeitigen Appell zur Beweglichkeit begründete Andreas Bialas, kulturpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, seinen Vortrag als Präsident des vbnw (Verband der Bibliotheken des Landes Nordrhein-Westfalen). Anlass war das diesjährige Politische Frühstück des Verbandes unmittelbar vor der Plenarsitzung des 21. April, zu dem zahlreiche Parlamentarier aller Fraktionen, Bibliothekare und Bibliothekswissenschaftler geladen waren und kamen. Im Mittelpunkt stand in diesem Jahr der Gesamtkomplex „Flüchtlinge, Migration und Integration“.
Die Bewegtheit, die die Transformation des Bibliothekswesens kennzeichne, so Bialas, kennzeichne auch grundlegende politische Entwicklungen und Weichenstellungen der jüngsten Zeit, beispielsweise das Kulturfördergesetz mit dem auch die Bibliotheken betreffenden Förderplan, das Integrationsgesetz des Bundes sowie der Integrationsplan NRW der Landesregierung oder auch ein aktueller Antrag der CDU-Fraktion zur Einbringung eines Bibliotheksgesetzes.
Bialas verweigerte sich ausdrücklich Vorstellungen, nach denen die Rolle der Bibliotheken als ergänzend bis ornamental und ihre Funktion als die eines Museums verschriftlichten Wissens gewertet werde: „Nein, Bibliotheken sind systemrelevant, demokratierelevant, integrationsrelevant.“ Er ließ keinen Zweifel an der den Bibliotheken als Begegnungs- und Bildungszentren beizumessenden gesellschaftspolitischen Funktion.

Aufgabe von Kulturpolitik und Kulturförderpolitik sei es daher, angemessene Antworten auf tagespolitische und grundsätzliche Fragestellungen zu finden.
Den Bibliotheken aufgegeben sei es, sich mit der Aufgabe des Zusammenlebens über kulturelle Grenzen hinweg praktisch auseinanderzusetzen.
Die Zeit gebiete es, keine Reduktion der Arbeit auf den Bereich der Künste zuzulassen, sondern vielmehr seitens der kulturellen Institutionen Antworten auf die Frage zu suchen: Welchen Beitrag leisten wir, dass der Zusammenhalt in der Gesellschaft bleibt bzw. wächst und sie uns nicht auseinanderfliegt?

Gerade auch die Bibliotheken in ihrer physischen wie zunehmen digitalisierten Form erwiesen sich zunehmend als Orte der Aushandlung von Werten.
Im Ringen um Werte stünden die europäischen Gesellschaften, wie Andreas Bialas betonte, – und nicht nur diese – vor der Herausforderung, Fremde zu Einheimischen werden zu lassen, ohne Einheimische zu Fremden zu machen.

Bialas dankte den Bibliotheken und den sie mit ihrem Engagement tragenden Menschen für ihren tagtäglichen Einsatz in diesem Sinne.
Erinnernd an die von der Tradition des Buches begründete Herkunft der modernen Bibliothek warf der Präsident des vbnw die Frage auf, ob ernsthaft ein Zugang zu Kultur ohne Zugang zu den literarischen Grundlagen denkbar sei? Zu den jetzt und in Zukunft zu erbringenden Leistungen eines gesellschaftsbewussten Bibliothekswesens zählten insbesondere die Eröffnung von Chancen, Angebote kennenzulernen, die Einrichtung von Plattformen gemeinsamen Erlebens, die kreative Prüfung unterschiedlichster Zuwegungen zum Bildungsort sowie die Dienstleitung in Form der Qualifizierung.
Dabei empfehle sich die enge Zusammenarbeit mit Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern, verwoben in die Quartiersentwicklung.